Leseprobe „Tom und Tina – Die Sturmflut“

Leseprobe aus dem ersten Band „Tom und Tina – Die Sturmflut“

TuT1 Coverfoto

… Kaum befanden sich unsere Vier draußen, umfing sie tosender Sturm. Noch schlimmer wurde es, als sie aus dem Windschatten des Hauses traten und der Wind ungebremst über sie herfallen konnte, als ob ein Ungeheuer sie angreifen wollte. Schwer kämpften sie gegen die Böen an. Tina als die Kleinste von ihnen musste sich am meisten anstrengen und kam trotz der Kälte schnell ins Schwitzen. „Wo sollen wir denn zuerst suchen?“, schrie sie.

„Am besten am Hafen. Vielleicht war Inas Ziel ja das Festland!“ Auch Tom musste laut rufen, um sich verständlich zu machen. Eine normale Unterhaltung war nicht möglich. Der Sturm ließ die Fahnen vor dem Internat so knattern, als ob ein Traktor seinen Motor laufen ließ.

Überall lagen abgerissene Zweige herum. Blätter wirbelten durch die Luft und wurden Hunderte Meter weit fortgerissen. Immer wieder peitschte Sand in ihr Gesicht und stach wie tausend Nadelstiche. Sie schlugen ihre Kragen hoch und wickelten sich fester in ihre Schals.

Zwischendurch mussten sie eine umgestürzte Kiefer umgehen. Ängstlich schauten sie zu den anderen Bäumen.

„Hoffentlich bricht nicht ein Ast ab, während wir drunter hergehen!“

„Diese Nadelhölzer ächzen und quietschen, als ob eine alte Tür in ihren Angeln bewegt wird!“

Je näher sie dem Meer kamen, umso mehr mussten sie sich gegen den Wind stemmen. Vor Anstrengung fingen nun alle an, zu schwitzen.

Als sie kurz vor dem Hafen waren, kam ihnen ein Fischer entgegen. „Was macht ihr denn hier?“, schrie er entsetzt.

„Haben Sie ein Mädchen gesehen?“, brüllte Tom zurück.

„Heute Morgen!“ Der Mann vollführte eine wegwerfende Handbewegung. „Die wollte sogar noch mit dem Schiff fahren! Dabei ist der Fährverkehr längst eingestellt worden. Da ist kein Mensch mehr am Hafen. Der Deern habe ich auch schon gesagt, dass das kein Wetter ist, um draußen zu sein! Da lässt man nicht mal einen Hund raus. Beeilt euch, dass ihr nach Hause kommt! Und bleibt von der Küste weg! Es rollt eine gefährliche Sturmflut heran!“

Die Kinder drehten sich um und eilten zurück. Da sie nun den Wind im Rücken hatten, wurden sie von ihm angetrieben. Unwillkürlich mussten sie laufen.

Außer Sichtweite hielten sie an. „Wo sollen wir jetzt suchen?“

„Lasst uns doch noch zum Jachthafen gehen. Eventuell wollte sie von dort aus zum Festland übersetzen!“

Also bogen sie rechts ab, um sich zu der Anlegestelle für Segel- und Motorboote durchzukämpfen. Schon von Weitem sahen sie, dass alles verlassen dalag.

„Wir sollten nicht weitergehen! Seht, wie hoch das Wasser bereits steht!“ Carsten deutete auf das Meer. Meterhohe Wellen brachen sich an der Kaimauer. Mit ungeheurer Kraft rollte eine nach der anderen gegen sie, als ob sie diese gemeinsam zum Einsturz bringen wollten. Ihre Gischt spritzte in die Höhe und sorgte danach auf der Uferpromenade für kleine Seen. Tiefe, dunkle Wolken jagten einander am Himmel.

„Kommt, wir gehen nach Hause! Das ist kein Spaß mehr!“ Tinas ängstliche Stimme hatte Mühe, den Sturm zu übertönen. „Wenn wirklich eine Sturmflut im Anzug ist und das Wasser über die Ufer tritt, müssen wir in Sicherheit sein!“

„Aber gerade deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als Ina zu finden!“ Judith blickte verzweifelt um sich. „Sie hat vielleicht keine Ahnung, dass auch noch eine Überschwemmung droht!“

Die Kinder standen unschlüssig da. Plötzlich hörten sie über sich ein verräterisches Knacken. Panisch schauten sie nach oben. „Kommt von dem Baum weg! …“

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Tom und Tina 1: Die Sturmflut