Leseprobe „Tom und Tina – Die verlorenen Zwillinge“

Leseprobe aus dem dritten Band „Tom und Tina – Die verlorenen Zwillinge“

TuT3 Buch-Foto… Sie folgten dem Weg abwärts und kamen auf die gegenüberliegende Seite der Station. Dort bogen sie auf einen Pfad ab, der sich durch eine steil abfallende Wiese schlängelte.

Schau mal nach unten! Vom Tal kann man gar nichts mehr sehen!“ Dichter Nebel kroch den Abhang herauf. Wie weiße Watte versteckte er alles unter sich und weitete sich aus.

Die Kinder liefen den Weg hinunter, um noch vor der Wolke die Hütte zu erreichen. Doch der Dunst dehnte sich rascher aus, als sie dachten. Schon bald streckten sich die ersten Nebelschwaden nach dem Holzhaus aus und verbargen es vollkommen. Trotzdem marschierten die beiden weiter. Wie ein Gespenst waberte die Dunstschicht immer höher und kroch ihnen entgegen.

Mir wird langsam kalt!“, jammerte Tina, aber dann hielt sie inne. „Hörst du das auch?“

Aus einem kleinen Kiefernwäldchen tauchte eine Kuh auf. Ihre Glocke erklang bei jedem Schritt.

Schau mal, das Rindvieh ist nicht allein. Sie bringt ihre ganze Familie mit!“

Tatsächlich erschienen weitere Rinder und lagerten sich auf dem Gras.

Die ersten Nebelfetzen strichen um die Kinder. Plötzlich umgab sie nur noch Dunst.

Man sieht ja kaum noch die Hand vor den Augen! Ist das unheimlich!Lass uns nicht weitergehen. Wir verlieren sonst die Richtung.“

Es ist auch viel zu gefährlich – hinterher stürzen wir ab!“

Die beiden setzten sich dicht zusammen auf einen Felsbrocken. Tiefes Schweigen umfing sie. Nur ab und zu läutete eine der Kuhglocken.

Mir wird einfach zu kalt!“ Tina schlang ihre Arme eng um sich. Tom überlegte, dass in der Nacht die Temperaturen um einiges fallen würden.

Lass uns zu einer der Kühe gehen und uns an sie lehnen. Dann bleiben wir warm.“

Willst du etwa zu den Viechern hin?“ Entsetzt richtete sich Tina auf. Na klar, Tom hatte vor Tieren noch nie Angst gehabt! Aber sie dagegen empfand riesigen Respekt vor ihnen.

Warum nicht? Die sind völlig harmlos; außerdem sind sie Menschen gewöhnt.“

Ohne mich! Stell dir vor, die werden wild!“

Wir machen doch keinen Stierkampf!“, lachte Tom. „Das sind ganz normale Haustiere, die im September wieder in den Stall kommen. Jedes Kind, das auf einem Bauernhof aufwächst, streichelt sie, melkt sie und hilft mit, sie einzufangen!“

Alles gute Zureden nutzte nichts – Tina weigerte sich standhaft, auch nur einen Schritt näher an die Tiere zu wagen.

Die Feuchtigkeit drang den beiden durch die Kleidung, bis sie vor Kälte zitterten. „So ein Pech, dass wir unsere Reisetaschen stehen gelassen haben. Wenigstens eine Jacke hätte ich anziehen können!“ Doch der Weg nach oben hatte sich erfolgreich in der Wolke versteckt. Wo genau sich die Station befand, konnte man nicht mehr ausmachen.

Endlich war Tina überzeugt, dass sie so frierend nicht die Nacht zubringen konnten. Sie wägte ab, was schlimmer war: mit Lungenentzündung die Ferien zu verpassen oder ein Abenteuer mit Tieren zu bestehen? Sie entschied sich, zu den Kühen umzuziehen.

Tom zweifelte, ob seine Freundin wegen des Frierens zitterte oder eher vor Furcht. Schützend legte er seinen Arm um ihre Schultern. „Wir müssen wegen der schlechten Sicht sowieso langsam gehen. Du wirst sehen, die sind richtig zahm.“

Sie gingen in die Richtung, aus der das Geläute kam. Plötzlich sahen sie aus dem Nebel einen braunen Hügel aufragen: Einen Meter vor ihnen lag das erste Rind. Die Kinder hielten an. Tom ließ Tina los und ging noch einen Schritt, um sich dann zu der liegenden Kuh herab zu beugen. Behutsam streichelte er ihr Fell. Sie drehte ihren Kopf zu ihm um und schaute ihn mit großen, erstaunten Augen an.

Wir nennen sie ‚Lotte‘. Schau her, sie ist total brav!“

Er kraulte sie hinter dem Ohr.

Komm, willst du nicht auch Kontakt zu ihr aufnehmen?“

In Tina tobte ein Kampf. Ihre Angst vor Tieren hinderte sie gründlich, diese Geschöpfe kennenzulernen und sich an ihnen zu erfreuen. Doch Lotte sah tatsächlich nicht gefährlich aus. Jemand mit solch einem Namen konnte gar nicht bösartig sein, oder? Aber wer wusste denn, wie die Kuh wirklich hieß? Vielleicht ja sogar Shir Khan wie der Tiger im Dschungelbuch?

Ein unangenehmer Windhauch strich über das frierende Mädchen und brachte die Entscheidung: Sie gab sich einen Ruck und machte den ersten Schritt auf Lotte-Shir Khan zu. Vorsichtig fuhr sie mit ihrer Hand an deren Hals entlang. Die Kuh muhte und wandte sich zu ihr um. Damit hatte Tina nicht gerechnet. Als hätte ein Drache sie angegriffen, sprang sie vor Schreck zurück, trat in einen Kuhfladen und rutschte aus. Halt suchend fiel sie zur Seite, direkt auf die Flanke der Kuh. …

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Tom und Tina 3: Die verlorenen Zwillinge